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Zeitung << 2/2008 << Das erste Semester an der Uni


Das erste Semester an der Uni
Ein Semester voller Überraschungen

Autorin: Anna Angyalka Lukács

Meine Tapferkeit war es, hierher zu kommen. Dies zu schreiben… und diese Seite zu nutzen um Euch zu erzählen, wie es mir in diesem ersten Semester ergangen ist. Ich weiß, es macht den Leser misstrauisch, wenn man von etwas nur Gutes schreibt. Trotzdem habe ich überwiegend von fantastischen Erlebnissen zu berichten.
Die erste Herausforderung war das ETR. Ich finde, die neuen Studenten werden nicht ausreichend über dieses wichtige elektronische Studiensystem informiert. Ich selber hatte Glück, aber viele wussten selbst in der dritten Woche nicht, welches Literaturseminar sie zum Beispiel nun besuchen werden. Nach den ersten Schwierigkeiten begriff ich, dass mein Stundenplan mein ganzes Leben in diesem Semester bestimmen würde. Da ich jeden Morgen um acht anfing, hatte ich als eifriger Storch die Nächte lieber zum Lernen und Schlafen genutzt, anstatt die Partyszene zu erobern, was sich aus sozialer Hinsicht eher als ungünstig erwies. Aber dafür war ich wach genug, andere Schönheiten des Studentendaseins kennen zu lernen.
Zum Beispiel das Gefühl der Verlorenheit, wenn man eine Woche lang keine Ahnung davon hat, wo man den Seminarraum finden wird, obwohl das Seminar in zehn Minuten beginnt. Zum Glück waren aber die Pförtner der Universitätsgebäude sehr hilfsbereit. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand so geduldig sein kann, und dem dreihundertsten Fragenden immer noch mit einem Lächeln antwortet. Oder muss man einfach nur mit einem Lächeln fragen?
Am positivsten war vielleicht die Erfahrung, dass hier die Vorlesungen und Seminare interessant, aufregend und auch amüsant sein können, nicht wie im Gymnasium, wo mir immerzu der Gedanke „Was mach ich hier überhaupt?!” in den Kopf kam. Es ist ein unglaubliches Gefühl, sich schon zwei Tage vorher auf eine Vorlesung zu freuen! Es kam sogar vor, dass wir in einem Seminar der Dozentin nicht Bescheid gesagt haben, dass das Seminar vorbei sei, weil wir auf jeden Fall noch das Ende hören wollten. Dass sie in dieser halben Stunde ihr Mittagessen geplant hat, wussten wir nicht. Und die Freiheit eine Stunde eventuell ausfallen zu lassen, erfüllt mich doch mit einem gewissen Gefühl von Macht.
Von den Dozenten hatte ich auch nur positive Eindrücke. Aber es fehlt mir doch die persönliche Beziehung, obwohl sie viel offener sind als die früheren Lehrer in der Schule. Es ist schwer, sich daran zu gewöhnen, dass der Dozent, den ich vor zwei Stunden angesprochen habe, sich danach nicht mehr an mich erinnert. Dann aber beruhigte ich mich immer mit dem Gedanken, dass das so wichtige Menschen sind, dass sie sich nicht an mich zu erinnern brauchen. Aber wenn ich den Namen eines meiner Dozenten in einem Buch lese, spüre ich eine gewisse Art von Stolz, dann würde man fast glauben, man kennt die Person, jedenfalls fühlt man sich ihr näher.
Auch die Beziehung zu anderen Studierenden ist anders. Man spürt den Altersunterschied einfach nicht so sehr. Und überhaupt, die Stadt Szeged pulsiert förmlich durch die Jugend, durch das Hin- und Herlaufen, durch die gefüllten Cafés und vollen Busse. Es ist aber auch ein wenig merkwürdig, jede Stunde andere Studenten zu treffen und selbst in der letzten Woche darauf aufmerksam zu werden, dass man eine bestimmte Person noch nie zuvor gesehen hat.
Die einzige Sache, die ich als Katastrophe empfand, war das Petõfi Gebäude. Ich kann jetzt gut verstehen, warum es in den Prospekten nicht gezeigt wird. Ehrlich gesagt erinnert es mich jedes Mal an eine verlassene Irrenanstalt. Ganz im Gegenteil zur schönen Universitätsbibliothek, wo man sich zwar klein, aber wie in einem echten amerikanischen Studentenfilm fühlt. Besonders, wenn man noch bei schönem Wetter in der Sonne auf dem Gras liegt, richtig idyllisch.
In zwei Tagen fängt die Prüfungszeit an, und da ich noch keine Erfahrungen in diesem Gebiet gemacht habe, werde ich wohl bis zum Ende ein mulmiges Gefühl im Bauch haben. Aber einmal muss man ja anfangen. Also, durchhalten!