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Zeitung << 1/2011 << Das Experiment 2001/2010


Das Experiment 2001/2010
Ein Vergleich von zwei Filmen

Autorin: Nóra Koloh

Das Experiment ist ein deutscher Film und Psycho-Thriller von Oliver Hirschbiegel aus dem Jahr 2001, der auf dem Roman Das Experiment Black Box von Mario Giordano basiert. Der Film bekam sehr viele Preise, wie den Bogey Award 2001, den Deutschen Filmpreis 2001, den Bayerischen Filmpreis 2001 und den Bergen International Film Festival 2001.

Sowohl der Film als auch der Roman lehnen sich an ein reales Experiment an, das im Sommer 1971 unter der Leitung von Philip Zimbardo an der Universität Stanford durchgeführt wurde. Das Stanford-Prison-Experiment wurde nach sechs (von vierzehn geplanten) Tagen abgebrochen, nachdem es unter moralischen Gesichtspunkten nicht länger tragbar war. Die Wachen lebten sich in ihre Rollen zu sehr ein, belästigten und demütigten die Gefangenen. Als es zu einer Schlägerei kam, beendete der Professor das Experiment sofort.

Die Handlung des deutschen Filmes von 2001
In einer Zeitungsanzeige entdeckt der Taxifahrer Tarek Fahd (Moritz Bleibtreu) eine Einladung zu einem Experiment. 4000 DM werden für die Teilnahme an einer Gefängnis-Simulation geboten. Tarek (Nr. 77) nimmt als Journalist mit einer in einer Brille versteckten Mini-Kamera teil. Kurz vor dem Experiment hatte er einen Verkehrsunfall. Dabei traf er eine Frau namens Dora (Maren Eggert). Er verbrachte eine Nacht mit ihr und muss immer wieder an sie denken, wie im Film durch Rückblenden erkennbar wird. Die 20 freiwilligen Teilnehmer werden in Wärter und Gefangene unterteilt und von einem Wissenschaftler-Team über Kameras beobachtet. Der Experimentleiter Professor Thon (Edgar Selge) untersucht die Auswirkungen der Persönlichkeit auf verschiedene Rollen. Die Gefangenen müssen Gefangenenkleidung tragen und einfache Regeln befolgen. Die Wachen tragen Uniformen und haben die Aufgabe, die Ordnung ohne körperliche Gewalt aufrechtzuerhalten. Zuerst ist alles in Ordnung, aber der Professor verliert schnell die Kontrolle über das Experiment. Die Gefängniswärter werden zur Erfüllung ihrer Aufgabe immer aggressiver. Der brutalste Wärter ist Berus (Justus von Dohnányi), und die anderen folgen ihm. Diese Brutalität führt dazu, dass einige Gefangene verletzt werden, ein Häftling wird sogar getötet. Der Professor erkennt die Veränderungen, will aber nicht eingreifen, weil er mithilfe dieser Situation das menschliche Verhalten sehr gut beobachten kann. Die Wachen misshandeln schließlich nicht nur die Gefangenen, sondern auch den Professor und seinen Assistenten und übernehmen die Führung des Experiments. Die Gefangenen entkommen.

Die amerikanische Neuverfilmung
The Experiment aus dem Jahre 2010 ist eine erneute Verfilmung des berühmten Stanford-Prison-Experiments. Der Regisseur ist Paul Scheuring. Die wichtigsten Schauspieler sind Adrien Brody (Travis, Nr.77), Forest Whitaker (Barris, Wache), Maggie Grace (Bay, Freundin Brodys), Fischer Stevens (Archaleta, Professor).
Dieser Film unterscheidet sich nicht sehr von der deutschen Version. In beiden Verfilmungen gibt es einen Liebesfaden. Aber das ist nur eine Praktik, mit der der Regisseur den Film interessanter machen will, er hat nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun. Aber man kann natürlich einige Unterschiede entdecken.
Die Schauplätze sind anders. Die Neuverfilmung spielt in einer Lagerhalle, die sich weit von der Stadt, in der Mitte eines Maisfeldes befindet. In der früheren Verfilmung hat der Regisseur eine Universität als Schauplatz gewählt, die auch die Stätte des wahren Experiments war.
In der deutschen Version nimmt Tarek mit einer Minikamera alles auf, während das in dem US-Remake überhaupt nicht erwähnt wird. Am Ende der deutschen Version fährt die Freundin des Hauptdarstellers zum Schauplatz des Experiments, um ihrem Geliebten zu helfen, aber in der amerikanischen Version fährt der entkommene Protagonist nach Indien, wo seine Freundin gerade Urlaub macht und auf ihn wartet. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Wachen in der deutschen Verfilmung auch den Professor und den Assistenten fangen und zu den Gefangenen sperren, aber in der amerikanischen Version spielt der Experimentleiter keine wichtige Rolle und taucht nur am Anfang des Filmes auf.
Ich sehe den größten Unterschied darin, wie das Experiment beendet wurde: In der Version von 2001 kommt die Freundin, findet eine Pistole, und als die Wärter und die Gefangenen im Keller der Universität gegeneinander kämpfen, schießt sie in die Luft. Damit wird die Gewalt endlich beendet. Im Gegensatz dazu leuchten in der Neuverfilmung während des Kampfes plötzlich rote Lampen auf und die Türen öffnen sich. Danach sitzen die Wachen und die Gefangenen mit ausdruckslosem Gesicht still auf der Wiese und warten auf den Bus, der sie nach Hause fährt.


Meinungen über den Film Das Experiment

„Ich studiere Psychologie, und während einer Vorlesung hat uns einer meiner Dozenten diesen Film empfohlen. Ich sah nur die deutsche Version, und sie hat mir sehr gefallen. Ich finde es interessant, dass sich Leute wegen einer Rolle so sehr verändern können. Die menschliche Natur ist sehr interessant.” (Eszter Szalai)

„Ich habe den Trailer des Films gesehen, und er hat mein Interesse geweckt. Außerdem mag ich Adrien Brody und Forest Whitaker, die Hauptdarsteller des Films. Ich sah nur die amerikanische Version. Ich finde den Film gut, weil ich es sehr interessant finde, dass die Macht die Menschen verändert. Ich finde es nicht so gut, dass sich die Geschichte des Films vom Ablauf des wahren Experiments sehr unterscheidet.“ (Lilla Benda)